PHOTO-2026-09-15-12-51-03

WM-Start in Pesaro: Deutschland bereit für den ersten großen Auftritt

Nachwuchsformationen fiebern dem Auftakt entgegen – grüner Wettkampfboden sorgt für ungewohnte Eindrücke

Pesaro – Jetzt wird es ernst: Am morgigen Donnerstag um 9.00 Uhr fällt bei den 2. FIG Junior World Championships & World Youth Competition in Pesaro der Startschuss für die deutschen Nachwuchsformationen der Altersklassen 12–18 und 13–19. Nach Monaten intensiver Vorbereitung steht für die jungen Athletinnen und Athleten nun der Moment bevor, auf den sie hingearbeitet haben: der Auftritt bei einer Weltmeisterschaft.

In der italienischen Adriastadt treffen die besten Nachwuchsformationen der Welt aufeinander. Für die deutschen Teilnehmer bedeutet der Wettkampf nicht nur sportlich eine besondere Herausforderung, sondern auch das Eintauchen in die ganz eigene Atmosphäre einer Weltmeisterschaft.

Grün statt Blau – eine Premiere in Pesaro

Schon beim ersten Training wartete auf die deutschen Athletinnen und Athleten eine ungewohnte Überraschung: Der Wettkampfboden in der Vitrifrigo Arena leuchtet grün.

Eine solche Farbe gab es bei einer Weltmeisterschaft der Sportakrobatik bislang nicht. In den ursprünglich veröffentlichten Unterlagen war für die Wettkampffläche noch ein hellblauer Boden vorgesehen. Eine offizielle Erklärung, warum sich die Veranstalter in Pesaro letztlich für Grün entschieden haben, liegt bislang nicht vor.

Für die Sportler ist die ungewöhnliche Farbe allerdings mehr als eine optische Randnotiz. In einer Sportart, in der räumliche Orientierung, Blickrichtungen, exakt einstudierte Bewegungsachsen und millimetergenaue Landungen eine entscheidende Rolle spielen, gehört auch die Gewöhnung an die Wettkampffläche zur Vorbereitung.

Beim ersten Training war der neue grüne Boden deshalb durchaus beeindruckend. Die ungewohnte Umgebung, die Größe der Arena und die besondere Atmosphäre einer Weltmeisterschaft sorgten bei einigen Formationen zunächst für spürbare Nervosität.

Doch bereits am zweiten Trainingstag zeigte sich ein anderes Bild.

„Die Elemente funktionieren“

Mit den beiden Trainingseinheiten am Dienstag und Mittwoch zeigten sich die Coaches und insbesondere Bundestrainer Igor Blintsov sehr zufrieden. Die Elemente klappten, die Abläufe wurden zunehmend sicherer und die anfängliche Nervosität wich sichtbar der Konzentration. Was am Dienstag noch ungewohnt war, wurde bereits am Mittwoch zunehmend selbstverständlich: der grüne Boden, die Halle, die internationale Konkurrenz und der Gedanke, dass es jetzt tatsächlich um eine Weltmeisterschaft geht.

Damit ist die deutsche Mannschaft bereit für den Wettkampf.

Medaillen sind möglich – Blintsov hält sich bedeckt

Wie die Medaillenchancen einzuschätzen sind, lässt sich Bundestrainer Igor Blintsov nicht entlocken. Der erfahrene Coach hält sich bewusst zurück und lässt sich nicht in die Karten schauen.

Der Tenor aus der internationalen Trainerschaft lässt allerdings aufhorchen. Drei deutsche Formationen werden von verschiedenen internationalen Trainern durchaus Chancen auf eine Medaille eingeräumt: das Damenpaar aus Frankfurt Lisa Schinko & Anna Dorigatti, das Mixed-Paar Milena Lalkov & Lewis Gröllich sowie das Damenpaar Nona Kara & Johanna Schöne aus Hoyerswerda. Letztere gehen sogar mit einem klar formulierten eigenen Ziel in diese Weltmeisterschaft: Sie wollen eine Medaille gewinnen. Vermessen ist dieser Anspruch keineswegs. Als amtierende Europameisterinnen bringen sie die sportlichen Voraussetzungen und das notwendige Selbstbewusstsein mit. Und genau dieses Selbstbewusstsein wird auch von der internationalen Konkurrenz wahrgenommen. Die drei deutschen Formationen stehen bei verschiedenen Nationen entsprechend unter besonderer Beobachtung.

Am Ende aber entscheidet nicht die Einschätzung anderer Trainer, sondern die Leistung auf dem Wettkampfboden.

Fragezeichen hinter russischer Teilnahme

Während sich die deutsche Mannschaft inzwischen auf den Wettkampf konzentrieren kann, blieb die Situation bei den russischen Nachwuchsathleten bis zuletzt offen. Die russischen Formationen der Altersklassen 12–18 und 13–19 warteten bis zur letzten Minute in Moskau auf ihre Visa. Erst am heutigen Mittwochabend werden sie in Italien erwartet. Ob sie damit rechtzeitig in den Wettbewerb einsteigen können, war zunächst noch offen. Sollten russische und belarussische Athletinnen und Athleten teilnehmen, erfolgt ihr Start unter neutraler Flagge und in neutraler Kleidung. Auch die Teilnahme der russischen Seniorendelegation ist derzeit noch nicht abschließend geklärt.

Morgen zählt nur noch der Wettkampf

Für die deutschen Nachwuchsformationen rückt all das nun in den Hintergrund. Die Vorbereitung ist abgeschlossen, die letzten Trainingseinheiten auf dem Wettkampfboden sind absolviert.

Jetzt zählt der Auftritt.

Morgen um 9.00 Uhr beginnt für die deutschen Formationen die Weltmeisterschaft.

Dann werden aus Trainingsstunden, Trainingslagern und unzähligen Wiederholungen jene wenigen Minuten, in denen alles passen muss. Körperspannung, Vertrauen, Synchronität, Schwierigkeit – und vor allem die Nerven.

Der grüne Boden von Pesaro ist inzwischen kein unbekanntes Terrain mehr.

Die deutsche Mannschaft ist bereit. Und vielleicht wird genau dieser grüne Boden für einige deutsche Formationen zum Boden, auf dem ein ganz großer Erfolg beginnt.

Comments are closed.