Der zweite Wettkampftag bei den 2nd FIG Junior World Championships & 14th World Age Group Competition in Pesaro stand ganz im Zeichen der zweiten Qualifikationsübungen. Für die Youth-Klasse ging es unter anderem für die Herrenpaare in die Dynamik, während die Damenpaare ihre Balanceübung zeigten, die Damengruppen ebenfalls ihre Dynamikübung präsentierten und die Mixed-Paare mit ihrer zweiten Übung – Balance – antraten.
Aus deutscher Sicht durfte man dabei besonders gespannt auf Tony und Jonny Herrmann blicken. Das Herrenpaar des SAV Schwarzenberg hatte am Vortag mit 26,340 Punkten in Balance bereits Rang vier belegt.
Zwei Brüder, ein außergewöhnlicher Weg
Und genau bei diesen beiden Brüdern lohnt es sich, einmal nicht nur auf die Zahl hinter dem Komma zu schauen. Denn hinter Tony und Jonny Herrmann liegt eine Entwicklung, die für mich zu den besonderen Geschichten dieser Weltmeisterschaften gehört.
Noch vor einigen Monaten hätte wohl kaum jemand erwartet, dass die beiden ihre sportliche Qualität innerhalb so kurzer Zeit auf ein Niveau würden heben können, das sie heute in Pesaro zeigen. Was seitdem passiert ist, hat viel mit konsequenter Trainingsarbeit, Vertrauen und der Bereitschaft zu tun, für ein gemeinsames Ziel auch ungewöhnliche Wege zu gehen. Ihre Wurzeln liegen in Schwarzenberg. Dort begannen die Brüder beim SAV Grünhain-Schwarzenberg ihre sportakrobatische Laufbahn. Petra Vitera erkannte früh das Talent der beiden und holte sie nach Dresden. Inzwischen gehören Jonny und Tony zum Nachwuchskader und trainieren am Dresdner Standort. Der Schritt nach Dresden war dabei weit mehr als ein Vereinswechsel. Die beiden leben und trainieren dort unter den Bedingungen des Bundesstützpunkts und profitieren von der täglichen Arbeit mit ihren Trainern. Dazu kommt die Zusammenarbeit mit Yves Vander Donckt und dem Umfeld des SC Rechberghausen.
Zwischen Dresden und Rechberghausen
Für Jonny und Tony bedeutete das: trainieren, reisen, wieder trainieren. Immer wieder ging es zwischen Dresden und Rechberghausen hin und her, um bei den verschiedenen Trainern die jeweils notwendigen Trainingsreize zu setzen und die Entwicklung des Herrenpaares konsequent voranzutreiben. Dass diese Zusammenarbeit Früchte trägt, lässt sich inzwischen auch an den Ergebnissen ablesen. Schon bei den Deutschen Meisterschaften in Göppingen war eine deutliche Entwicklung zu erkennen.
Und jetzt stehen sie in Pesaro bei einer Weltmeisterschaft.
Das ist der eigentliche Quantensprung.
Heute zählt jeder Zehntelpunkt
In ihrer Dynamikübung am zweiten Wettkampftag zeigten Tony und Jonny dann, warum sich dieser enorme Aufwand gelohnt hat. Mit 27,000 Punkten in Dynamik kamen sie auf eine Gesamtwertung von 53,340 Punkten und sicherten sich damit Rang vier in der Qualifikation. Damit ist der Einzug ins Finale geschafft. Und genau hier wird die Geschichte für mich besonders schön: Zwei Brüder, die gemeinsam in Schwarzenberg angefangen haben, die irgendwann den Mut hatten, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen, die für ihren Sport nach Dresden gezogen sind und für die optimale Vorbereitung sogar regelmäßig weitere Wege auf sich nehmen – sie stehen nun bei einer Weltmeisterschaft im Finale.
Das haben sich Jonny und Tony verdient.
Nicht, weil ihnen etwas geschenkt wurde. Sondern weil sie diesen Weg angenommen haben und offenbar bereit waren, jeden Tag daran zu arbeiten, besser zu werden.
Eine Geschichte, die auch Mut machen kann
Gleichzeitig gehört zu dieser Entwicklung auch eine zweite Wahrheit. Nicht jede talentierte Formation bekommt irgendwann die Möglichkeit, unter vergleichbaren Bedingungen zu trainieren. Es gibt Sportlerinnen und Sportler mit großem Potenzial, deren Wege sich aus unterschiedlichen Gründen nicht in gleicher Weise weiterentwickeln. Manche Formationen verschwinden irgendwann aus den Startlisten. Das ist eine Seite des Leistungssports, über die man ebenfalls sprechen darf.
Umso wichtiger ist die Geschichte von Jonny und Tony.
Sie zeigt, was möglich werden kann, wenn Talent, Trainer, Trainingsbedingungen und die Bereitschaft zum persönlichen Einsatz zusammenkommen. Der Schritt an einen Bundesleistungsstützpunkt ist dabei sicherlich nicht für jeden Athleten der richtige oder überhaupt mögliche Weg. Aber für junge Sportakrobaten, die den nächsten Schritt machen wollen, kann die Entwicklung der Herrmann-Brüder durchaus ein Beispiel sein: Dresden, Frankfurt oder Rechberghausen bieten Strukturen, in denen Nachwuchsathleten gezielt an den Leistungssport herangeführt werden können. Jonny und Tony haben diesen Schritt gemacht. Und in Pesaro sieht man nun, wohin er sie geführt hat.
Zwei Brüder. Eine gemeinsame Geschichte. Ein gemeinsames Ziel. Und jetzt: das WM-Finale.
Für mich ist das eine der Geschichten dieser Weltmeisterschaft, die weit über die nackte Punktzahl hinausgeht.
Die weiteren deutschen Auftritte am zweiten Tag
Auch die anderen deutschen Youth-Formationen waren am zweiten Tag gefordert. Bei den Youth Damenpaaren stand mit der Balanceübung der erste Auftritt auf internationalem Boden auf dem Programm. Unter anderem erreichten Anna Dorigatti/Lisa Schinko sowie Sara Hitzel/Romy Höfgen mit ausdrucksstarken Übungen Platz 9 bzw. Platz 13; bei den Youth Damengruppen folgte die dynamische Übung. Hier belegten Viktoria Scharonin, Henriette Thiele und Magdalene Thiele den 18. Platz und Lena Hafner, Marleen Ross und Hannah Walter den 20. Platz. Bei den Youth Mixed Pairs absolvierten Sofia Kirizoglou und Nils Hoffmann ihre Balanceübung und beendeten die Qualifikation mit 54,160 Punkten auf Rang fünf.

























































