Der Deutsche Sportakrobatik Bund trauert um Werner Kasper, der im Alter von 87 Jahren verstorben ist.
Mit seinem Tod verliert die deutsche Sportakrobatik eine ihrer bedeutendsten und prägendsten Persönlichkeiten. Über Jahrzehnte hinweg hat Werner Kasper den Aufbau, die Entwicklung und die Kultur unserer Sportart maßgeblich gestaltet – als Trainer, Funktionär, Ausbilder, Visionär und vor allem als Mensch, der sein Leben mit außergewöhnlichem Engagement in den Dienst der Sportakrobatik stellte.
Werner Kasper gehörte zur prägenden Aufbaugeneration der deutschen Sportakrobatik nach dem Zweiten Weltkrieg. Sein Wirken reichte weit über den sportlichen Bereich hinaus und beeinflusste den Deutschen Sportakrobatik Bund, den heutigen Baden-Württembergischen Sportakrobatikverband sowie die internationale Sportakrobatik nachhaltig.
1973 war er in Moskau Gründungsmitglied der IFSA, der Internationalen Föderation der Sportakrobatik. Darüber hinaus gehörte er zu den Mitbegründern des Württembergischen Sportakrobatik Verbandes, aus dem später der heutige BWSAV hervorging. Sein Name ist eng verbunden mit dem Aufbau des Landesleistungszentrums Sportakrobatik in Aalen, das über viele Jahre hinweg zu einem zentralen Standort der deutschen Sportakrobatik wurde.
Besonders prägend war sein jahrzehntelanges Wirken im Bereich Ausbildung und Lehrwesen. Werner Kasper entwickelte das Ausbildungswesen im Deutschen Sportakrobatik Bund entscheidend mit und führte seit 1981 insgesamt 562 Trainerinnen und Trainer zur C-Lizenz, 135 zur B-Lizenz sowie 38 zur höchsten Qualifikation, der A-Lizenz. Gemeinsam mit Bundestrainer Vitcho Kolev gestaltete er seit 1989 die Trainerausbildung im DSAB nachhaltig. Unzählige Trainerinnen und Trainer tragen bis heute seine Handschrift in ihrer täglichen Arbeit weiter.
Ein besonderes Anliegen war ihm stets die Weitergabe von Wissen. Gemeinsam mit Vitcho Kolev verfasste er das Fachbuch „Sportakrobatik – Methodik und Lehrprogramme“, das bis heute als eines der wichtigsten deutschsprachigen Lehrwerke dieser Sportart gilt. Ziel war es, die Sportakrobatik verständlicher, praxisnaher und zugänglicher zu machen sowie Trainerinnen, Trainern und Aktiven einen fundierten Leitfaden an die Hand zu geben.
Doch Werner Kasper verstand Sportakrobatik niemals nur als Wettkampfsport. Für ihn war sie immer auch Gemeinschaft, Verantwortung und menschlicher Zusammenhalt. Diese Haltung spiegelte sich in zahlreichen Initiativen wider, die weit über den Trainingsalltag hinausgingen. Mit großer Leidenschaft baute er das Freizeitlager „Wagnershof“ in Ellwangen-Neunheim auf, das bis heute ein fester Bestandteil des Sportakrobatik-Kalenders ist. Bereits in den 1980er-Jahren führte er zudem die Führungsseminare in Oberjoch ein, bei denen Gemeinschaftssinn, Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftlicher Zusammenhalt ebenso wichtig waren wie sportliche Leistung.
Auch nach seinem offiziellen Rückzug aus dem Amt des Referenten für Lehrwesen blieb Werner Kasper der Sportakrobatik eng verbunden. Mit Rat, Erfahrung und großer Bescheidenheit stand er weiterhin vielen Menschen zur Seite, ohne sich jemals selbst in den Mittelpunkt zu stellen.
Für viele Menschen war Werner Kasper weit mehr als ein Funktionär oder Trainer. Er war Mentor, Wegbegleiter, Ideengeber und einer der großen Kultur- und Systemgestalter unserer Sportart. Seine Verlässlichkeit, seine Bodenständigkeit und seine Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen, haben Generationen geprägt.
Für seine außergewöhnlichen Verdienste wurde Werner Kasper mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Mit Werner Kasper verliert die deutsche Sportakrobatik einen ihrer wichtigsten Wegbereiter. Sein Lebenswerk wird weit über Aalen hinaus fortbestehen – in den Menschen, die er ausgebildet hat, in den Strukturen, die er geschaffen hat, und in den Werten, die er vorgelebt hat.
Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, seinen Freunden und allen, die ihm nahestanden.
Der Deutsche Sportakrobatik Bund wird Werner Kasper ein ehrendes Andenken bewahren.
Werner Kasper wird fehlen. Sein Wirken aber wird bleiben.


