Der zweite Tag beim FIG World Cup im bulgarischen Burgas stand ganz im Zeichen des offiziellen Podiumstrainings. Gemeinsam mit Australien betrat das deutsche Team erstmals die Wettkampffläche unter realen Wettkampfbedingungen – und dabei wurde schnell deutlich: Diese Arena wird für alle Nationen zur echten Bewährungsprobe.
Insgesamt nehmen beim Weltcup in Burgas 13 Nationen mit rund 135 Athletinnen und Athleten teil – ein internationales Teilnehmerfeld, das nicht nur quantitativ, sondern vor allem qualitativ absolute Weltklasse verspricht.
Die Burgas Arena beeindruckt nicht nur durch ihre Atmosphäre, sondern vor allem durch ihre außergewöhnliche Höhe von über 27 Metern. Gerade diese Dimension verändert das Gefühl in den Flugelementen enorm und verlangt den Athletinnen und Athleten ein Höchstmaß an Orientierung, Präzision und mentaler Stabilität ab. Hinzu kommt die für die Sportakrobatik nicht optimale Beleuchtung, die insbesondere bei schwierigen Tempo- und Balanceelementen zusätzliche Herausforderungen schafft.

Doch genau hier trennt sich internationale Klasse von der Weltklasse.
Und die deutschen Formationen zeigten eindrucksvoll, dass sie bereit sind, sich dieser Herausforderung zu stellen.
Ein echtes Ausrufezeichen setzte bereits am heutigen Tag das Herrenpaar Lyven Stempel und Hannes Woitass. Mit beeindruckender Präsenz und sichtbarem Selbstvertrauen präsentierten beide ihre drei Übungen auf einem sehr starken Niveau. Sehr stabil und nahezu fehlerfrei demonstrierten sie eindrucksvoll, dass Deutschland bei den Herrenpaaren längst nicht mehr nur mitläuft, sondern aktiv Druck auf die internationale Konkurrenz ausübt. Auf den Tribünen wurde aufmerksam beobachtet, analysiert und „spioniert“ – denn die Botschaft der beiden Deutschen war unübersehbar.
Doch nicht nur das Herrenpaar wusste zu überzeugen.
Auch die weiteren deutschen Formationen präsentierten sich sowohl hinter dem „großen Vorhang“ auf den Warm-up-Floors als auch direkt auf dem offiziellen Podium in guter Verfassung. Die Damengruppe mit Fiona Reul, Kira Hellwig und Alisee Strohhecker sowie die beiden Damenpaare Mira Spieß und Charlotte Kallai und Sophia Hermes und Lena Boerner zeigten über weite Strecken bereits Übungen auf international absolut konkurrenzfähigem Niveau. Am Ende waren es lediglich vereinzelte Elemente und kleine Feinabstimmungen, die noch nicht perfekt funktionierten – Details, wie sie bei einem offiziellen Podiumstraining unter solchen Bedingungen völlig normal sind.

Denn eines wurde heute ebenfalls deutlich:
Diese Arena verzeiht keine Unsicherheit.
Besonders interessant wurde es am Ende des Tages noch einmal beim russischen Team, das als letzte Nation das Podiumstraining absolvierte. Auch dort hinterließ die enorme Hallenhöhe sichtbar Eindruck. Selbst bei einer der stärksten Nationen der Welt liefen nicht alle Elemente exakt so stabil und kontrolliert, wie vermutlich geplant. Das zeigt eindrucksvoll, dass die Bedingungen in Burgas für wirklich jede Nation eine Herausforderung darstellen.
Beeindruckend ist beim russischen Team dabei nicht nur die enorme Qualität und die extrem hohen Schwierigkeiten der gezeigten Übungen, sondern auch die schiere Anzahl an Athletinnen und Athleten, mit denen Russland hier vertreten ist. Allein diese Tiefe und Breite im Kader verdeutlicht die internationale Stärke dieser Mannschaft.

In der anschließenden Teambesprechung der deutschen Equipe im Mannschaftshotel wurden die gezeigten Übungen intensiv analysiert. Bundestrainer Igor Blintsov, die Heimtrainer sowie die internationale Kampfrichterin Sabine Zado arbeiteten gemeinsam konzentriert an letzten Feinheiten, kleinen technischen Anpassungen und der optimalen Vorbereitung auf den morgigen World-Cup-Beginn.
Und genau jetzt beginnt die Phase, in der Mentalität den Unterschied macht.
Denn eines ist klar:
Gut wie nie – GERMANY!

Mit breiter Brust gilt es nun, morgen mit der ersten Übung auf die Matte zu gehen. Und wenn jemand glaubt, Deutschland sei bei dieser Konkurrenz nur Außenseiter, dann könnte genau diese Rolle zur größten Stärke werden.
Und vielleicht darf man an dieser Stelle auch einmal sagen:
Wenn Sportakrobatik leicht wäre, würde sie Fußball heißen.
Als ehemaliger aktiver Fußballer, Trainer und mittlerweile seit über zehn Jahren im Sportakrobatik-Geschäft tätig, weiß man sehr genau, welche Präzision, welcher Mut und welche mentale Stärke notwendig sind, um auf diesem Niveau bestehen zu können.
Die deutsche Mannschaft ist bereit.


