Ein erfolgreicher Tag für den DSAB
So nah liegen Freud und Leid im Sport beieinander. Während für das Damenpaar aus Wilhelmshaven Mira Spieß & Charlotte Kallai die Hoffnungen auf eine Finalteilnahme bereits mit dem ersten Element einen herben Dämpfer erhielten, sorgten das Damenpaar aus Nordhorn Sophia Hermes & Lena Boerner, die Damengruppe aus Frankfurt Fiona Reul, Kira Hellwig & Alisee Strohhecker und das Herrenpaar aus Riesa Lyven Strempel & Hannes Woitass für einen (fast) rundum gelungenen Wettkampftag aus deutscher Sicht.
Aber der Reihe nach: Für Mira Spieß und Charlotte Kallai begann die Übung denkbar unglücklich. Bereits beim Auftaktelement, dem Hand-Hand-Salto, kam es zum entscheidenden Fehler. Damit waren die Chancen auf einen Finaleinzug praktisch dahin. Umso bemerkenswerter war die Reaktion der beiden Sportakrobatinnen von Vereinstrainerin Silke Spieß. Trotz des frühen Rückschlags ließen sie sich nicht aus dem Konzept bringen und präsentierten den Rest ihrer Übung fehlerlos. Am Ende reihten sie sich jedoch in die Liste der Stürze der anderen Topnationen vom Vortag ein und finden sich gemeinsam mit den USA leider auf den hinteren Plätzen dieses World Cups wieder. Nun gilt es, die Enttäuschung schnell abzuschütteln. Bereits bei den Deutschen Meisterschaften und dem nächsten World Cup in Rzeszów bietet sich die nächste Gelegenheit, wieder anzugreifen und das vorhandene Potenzial unter Beweis zu stellen.
Ganz anders verlief der Wettkampf für das Damenpaar aus Nordhorn mit Trainerin Rebecca Haase. Mit beeindruckender Ruhe spulten die beiden Drittplatzierten des ersten Tages ihre Übung nahezu fehlerfrei ab. Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen! Nach der Qualifikation belegen sie sensationell den Silberrang hinter Russland 1 und vor Großbritannien 1. Auch wenn am Finaltag die Karten neu gemischt werden und die bisherigen Ergebnisse keine Medaille garantieren, hat die Qualifikation gezeigt, dass für die beiden Niedersachsen alles möglich ist. Die Ausgangsposition ist hervorragend. Jetzt gilt es, die Ruhe zu bewahren und die Chance zu nutzen.
Auch die Damengruppe aus Frankfurt darf sich über den Einzug ins Finale freuen. Das Trio qualifizierte sich als Sechstplatzierte für die Runde der besten acht Formationen. Gemeinsam mit Israel, Russland 1, Russland 2, Großbritannien 1, Belarus, Großbritannien 2 und den USA kämpfen die Frankfurterinnen wie schon beim ersten World-Cup in Maia um die vorderen Plätze. Trotz einiger kleinerer Unsicherheiten während der Übung geriet der Finaleinzug zu keinem Zeitpunkt ernsthaft in Gefahr. Die von Johannes Belovencev trainierte Damengruppe präsentierten sich insgesamt sehr souverän und konnten ihre Qualifikation für das Finale verdient absichern. Wie bereits bei den Damenpaaren wurde auch im Wettbewerb der Damengruppen die dritte russische Formation Opfer der Nationenregel. Da pro Nation lediglich zwei Formationen im Finale startberechtigt sind, blieb Russland 3 trotz entsprechender Platzierung der Einzug in die Endrunde verwehrt.
Für die Frankfurterinnen gilt nun dieselbe Ausgangslage wie für das Damenpaar aus Nordhorn: Die Pflicht ist erfüllt, das Finale erreicht. Jetzt kann befreit aufgeturnt werden. Es gibt nichts zu verlieren. Die Qualifikation hat gezeigt, dass das Potenzial vorhanden ist. Aus der Ruhe zum Erfolg – mit dieser Einstellung darf die deutsche Formation optimistisch auf den Finaltag blicken.
Den deutschen Erfolg perfekt machte am Abend das Herrenpaar aus Riesa. Damit steht fest: In jeder gestarteten Disziplin hat Deutschland das Finale erreicht. Drei von vier Formationen werden am morgigen Finaltag vertreten sein. Wer hätte das vor Beginn des World Cups erwartet?
Hannes Woitass und Lyven Strempel vom SC Riesa belegten in der Qualifikation einen hervorragenden vierten Rang und zogen damit souverän in das Finale der besten sechs Herrenpaare ein. Neben den Deutschen qualifizierten sich die USA, Russland 1, Russland 2, die Ukraine und Indien für die Medaillenentscheidung. Auch hier verhinderte die Nationenregel den Start einer dritten russischen Formation im Finale. Schon vom ersten Tag an zeigten die beiden, weshalb sie die Reise nach Burgas angetreten haben. Ihr Ziel war klar formuliert: den großen Nationen Paroli zu bieten. Mit Selbstvertrauen und zwei sauber präsentierten Übungen haben sie dieses Vorhaben bereits eindrucksvoll umgesetzt. Die Schützlinge von Vereinstrainerin Nina Blintsov können dem Finale nun mit großer Gelassenheit entgegensehen. Sie haben bereits jetzt ihr persönliches Ziel erreicht: den Einzug in das Finale mit den besten Paaren der Welt. Was will man mehr? Alles, was nun folgt, ist die Zugabe.
Entsprechend zufrieden zeigte sich auch Bundestrainer Igor Blintsov nach Abschluss der Qualifikationen:
„Drei Finalteilnahmen – das ist ein hervorragendes Ergebnis für unser Team. Unserer Sportler*innen haben gezeigt, dass sie international konkurrenzfähig sind und sich vor den großen Nationen nicht verstecken müssen. Besonders freut mich, dass wir nach kleineren Rückschlägen in den letzten Wochen die Ruhe bewahrt haben. Genau das hat heute den Unterschied gemacht. Morgen gehen wir ohne Druck in die Finals. Unser Team hat bereits viel erreicht, aber vielleicht ist noch mehr möglich.„
Auch abseits der Wettkampffläche war Deutschland beim World Cup in Burgas vertreten. Die vom DSAB nominierte internationale Kampfrichterin Sabine Zado absolvierte am heutigen Wettkampftag ihren zweiten Einsatz bei diesem World-Cup. Aufgrund ihrer Klassifizierung als internationale Kampfrichterin mit Lizenz 2 hätte Sabine Zado bei der Entsendung eines zweiten deutschen Kampfrichters zudem als Difficulty Judge (DJ) eingesetzt werden können. Ihr Einsatz unterstreicht die Bedeutung der deutschen Kampfrichterinnen und Kampfrichter auf internationaler Ebene und zeigt, dass Deutschland nicht nur mit erfolgreichen Athletinnen und Athleten, sondern auch im Wertungsgericht vertreten ist. Ein morgiger Einsatz im Finale ist sehr wahrscheinlich.



